Heinrich Heine

Heinrich Heine griff mit seinem Gedicht „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ (1823) das Thema Loreley wieder auf. Durch die Vertonung von Friedrich Silcher wurde das Lied zum weltberühmten Hit. Loreley – eine schöne Frau, die auf dem Felsen sitzt. „Sie kämmt ihr goldenes Haar“, wobei sie ein Liedchen trällert, das eine „wundersame, gewaltige Melodei“ gehabt haben soll. Die Schiffer, derartig abgelenkt, vergaßen die Gefahr, die der Rhein gerade an dieser Stelle mit sich brachte. Anstatt auf die Untiefen, wilden Strömungen und Felsen im Fluss zu achten, schauten sie fasziniert in die Höh’. Ihre Boote krachten auf die Felsen, sie wurden in die Tiefe gerissen und so mancher hat es mit seinem Leben bezahlt. „Das hat mit ihrem Singen die Loreley getan.“

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten

Ich weiß nicht was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.